Digitalisierung & KI
Prozesse verstehen, bevor wir sie automatisieren
Automatisierung kann Abläufe vereinfachen. Sie wird aber erst dann sinnvoll, wenn Regeln, Ausnahmen und Verantwortung vorher geklärt sind.
Sadri Selimica. 2 Minuten Lesezeit

Automatisierung braucht einen verständlichen Ablauf
Wenn ein Ablauf mühsam ist, liegt der erste Impuls oft nahe: Wir sollten ihn automatisieren. Ein neues Tool, ein Workflow oder ein KI-System soll Zeit sparen und Fehler vermeiden.
Das kann funktionieren. Es kann aber auch dazu führen, dass ein unklarer oder unnötig komplizierter Ablauf einfach schneller ausgeführt wird. Dann ist nicht das Problem gelöst, sondern nur die Geschwindigkeit erhöht.
Bevor eine technische Lösung entsteht, muss deshalb klar sein, wie die Arbeit sinnvoll funktionieren soll. Was ist das Ziel? Welches Ereignis löst den Ablauf aus? Welche Informationen werden benötigt? Wer entscheidet an welcher Stelle? Und wo gibt es Ausnahmen?
Ein Beispiel: eingehende Anfragen zuweisen
Nehmen wir als allgemeines Beispiel eine eingehende Anfrage, die automatisch erfasst und einer zuständigen Person zugewiesen werden soll. Damit dieser Ablauf verlässlich funktioniert, braucht es mehr als ein Formular und eine Weiterleitung.
Zuerst muss feststehen, welche Angaben für die Bearbeitung notwendig sind. Was geschieht, wenn eine wichtige Information fehlt? Wird die Anfrage zurückgestellt, wird eine Rückfrage ausgelöst oder wird sie einer Stelle zur Klärung vorgelegt?
Auch doppelte Anfragen müssen berücksichtigt werden. Woran lässt sich erkennen, dass zwei Eingänge denselben Sachverhalt betreffen? Eine automatische Prüfung kann dabei unterstützen, braucht aber nachvollziehbare Kriterien und darf ähnliche, aber eigenständige Anliegen nicht einfach zusammenlegen.
Wenn die Zuordnung nicht gelingt, darf der Vorgang nicht unsichtbar verschwinden. Es braucht einen definierten Auffangweg. Eine zuständige Person oder Rolle kümmert sich um ungelöste Fälle und kann die Ursache des Problems beurteilen.
Es zeigt: Die eigentliche Arbeit liegt häufig in den Regeln, den Ausnahmen und den Zuständigkeiten rund um den automatisierten Schritt.
Kontrolle nach Risiko und Auswirkung
Gute Automatisierung lässt Menschen dort urteilen, wo Urteilskraft nötig ist. Klare Routinefälle können innerhalb definierter Regeln automatisch bearbeitet werden. Unklare oder folgenreiche Fälle werden einem Menschen vorgelegt. Umfang und Art der Kontrolle richten sich nach dem Fehlerrisiko und den möglichen Auswirkungen.
Damit ist nicht gemeint, dass jedes automatisierte Ergebnis manuell geprüft werden muss. Entscheidend ist, dass die Grenzen der Automatisierung bekannt sind und passende Kontrollpunkte bestehen.
Erfolg zeigt sich nicht nur an der Geschwindigkeit
Eine Automatisierung muss erkennen lassen, ob Vorgänge vollständig verarbeitet wurden. Fehler und offene Fälle sollen sichtbar sein. Es braucht eine zuständige Person und einen geregelten Umgang mit fehlgeschlagenen Abläufen.
Erst wenn sich nachvollziehen lässt, was erledigt, zurückgestellt oder ungeklärt ist, kann ein Ablauf verbessert werden. Geschwindigkeit allein ist deshalb kein ausreichendes Erfolgskriterium.
Automatisierung wird dann sinnvoll, wenn sie einen verstandenen Prozess unterstützt. Technologie kann Arbeit erleichtern. Die Verantwortung für klare Regeln und gute Entscheidungen bleibt jedoch bestehen.